Das Monster mit dem guten Herz

Von Petra Plaum. Ein Bericht der Augsburger Allgemeine.

Belle liebt Kinder über alles – sie lässt keine Gelegenheit aus, mit ihnen zu singen und zu tanzen. Zur Freude der Bühnenstrolche, der jüngsten Theaterspieler beim Theater Donauwörth. Sie haben etliche Auftritte in „Die Schöne und das Biest“.

Große Augen während der ersten Minuten von „Die Schöne und das Biest“ auf der Freilichtbühne in Donauwörth: Da gibt es ja ein zweites Biest! Und zwar in Gestalt einer eleganten Blondine (Kerstin Reiter) in Grün. Was die dort zu suchen hat, warum ihr Prinz (Christian Faul) zum haarigen Monster mutiert und wie am Ende alles gut wird, zeigt das Kinder- und Jugendtheater des Theaters Donauwörth jetzt am Mangoldfelsen.

 

Die blonde Prinzessin ist an allem schuld, jedenfalls in der Bühnenfassung von Walter Edelmann. Um sich mit dem mildtätigen Prinz Maurice von Chauvignac zu verloben, fährt sie auf dessen Schloss – und ist entsetzt: Da wimmelt es vor Buben und Mädchen! Die Prinzessin hasst Kinder – was prompt zum Streit mit ihrem Prinzen führt. Der wird danach vor Liebeskummer böse und droht den Dienern und den Waisenkindern, die bislang im Schloss spielen durften, Strafen an. Erschüttert rufen die Kinder die Fee Finesse (Magdalena Grimm) herbei.

 

Wie führt das Biest, das dank der Fee aus dem Prinzen wird, sich eigentlich auf? Was macht Belle so bezaubernd? Und welche Irrungen und Wirrungen sind bis zum Happy End zu überwinden? So oft „Die Schöne und das Biest“ schon aufgeschrieben und gezeichnet, verfilmt und als Stück oder Musical umgesetzt wurde – diese Fragen stellt sich das Publikum immer wieder neu.

 

Regisseurin Ulrike Schweihofer und die vielen Aktiven vor und hinter den Kulissen in Donauwörth versüßen den Zuschauern den Weg zum Happy End: Die Darsteller überzeugen je nach Rolle als sympathischer Held oder kratzbürstige Antiheldin. Die Instrumentalisten spielen schwungvoll und auf beachtlichem Niveau (musikalische Leitung: Pamela Putz). Die Gesangs- und Tanzeinlagen gehen ins Bein. Bei den Kostümen und im Bühnenbild gibt es hinreißende Details zu entdecken. Und nachdem der Zuschauer den Prinzen ein Weilchen beobachtet hat, hofft er von Herzen, dass der tatsächlich mit der natürlichen Belle (Jessica Becker) glücklich wird und nicht etwa der Zickenprinzessin eine zweite Chance einräumt.

 

Wieder einmal ist auf der Freilichtbühne am Mangoldfelsen die Kunst gelungen, zwei sehr gegensätzlichen Stücken – für die Erwachsenen läuft zurzeit „Der Name der Rose“ – eine gemeinsame überzeugende Kulisse zu verpassen. „Die Schöne und das Biest“ lässt einen Schlosswinkel zur Spielzeugwerkstatt werden, mit bunten Hampelmännern. Die Wiese neben der Bühne wird ins Spiel miteinbezogen, da rollen Markstände mitsamt zänkischen Marktweibern vorbei.

 

Immer wieder haben auch Mitglieder des Hofstaats – von der Fee in Haushaltsgegenstände verwandelt – und die Kinder der Nachwuchs-Gruppe „Bühnenstrolche“ charmante, lustige Auftritte. Noch erwähnenswert: Wie schon bei „Pippi Langstrumpf“ und „Ronja Räubertochter“ so trumpfen auch heuer bei „Die Schöne und das Biest“ hauptsächlich die Mädchen und Frauen auf. Prinz Maurice, das Biest (Frank Litzl) und Belles Vater, Meister Jouet (Bernd Zoels), gewinnen zwar Zuschauerherzen – doch am Ende haben die Darstellerinnen das letzte Wort, allen voran Belle.

 

Eine gelungene Premiere, mit der sogar Petrus Erbarmen hat: Der Platzregen hört zum Spielstart auf. „Die Schöne und das Biest“ streiten, verhandeln und flirten unter weißblauem Himmel. Auf solchen hoffen beim Kinder- und Jugendtheater nun alle auch für die nächsten Aufführungen: Bis zum 7. August können kleine und große Kinder sowie Erwachsene sich so noch unterhalten und bezaubern lassen.

© 2020 by Christian Faul